Karate * Selbstverteidigung * Fitness
40 Jahre Karate

Ich kann es selbst kaum glauben, aber heute vor 40 Jahren, am 24. März 1979 habe angefangen, Karate zu trainieren.

Damals hieß der heutige Deutscher Karate Verband noch DKU!

Dieses Jahr bin ich zusätzlich seit 20 Jahren Haupttrainer beim Shotokan Karate Dojo Dortmund e.V.! Nachfolgend ein kurzes Interview mit der Vorsitzenden Nadia Mari vom SKD e.V. in der ihr mehr über meinen Karateweg erfahren könnt.

Es steht in seinem Karatepass: Am 24. März 1979 meldete sich Phong beim 1. JJJC Dortmund e.V. zum Karatetraining an. Kaum vorstellbar, aber auch Phong war einmal Karate-Anfänger.

40 Jahre später ist er Träger des 5. Dan und bereitet sich intensiv auf seine Prüfung zum 6. Dan vor.  Was treibt ihn an, jeden Tag aufs Neue Karate zu unterrichten und wie sehen seine Pläne für die Zukunft aus?

SKD: Auf deiner Website schreibst du, dass du damals deinem älteren Bruder beim Trainieren diverser Kampfkünste voller Begeisterung zugeschaut hast und auch ein wenig von ihm trainiert wurdest. Haben alle deine Geschwister sich für Kampfsport interessiert?

Phong: Ich bin der Jüngste von insgesamt neun Geschwistern. Meine beiden älteren Brüder haben Judo und Thaiboxen trainiert. Von ihnen habe ich gelernt wie man sich verteidigt. Drei meiner Schwestern haben Judo und Taekwondo trainiert und die mittlere hat mich mit zum Taekwondo genommen. Und ich bin auch zum Judo gegangen, weil die Japaner in meinem Dorf es kostenlos angeboten haben. Ich bin aber heute der letzte von uns, der noch Kampfsport trainiert.

SKD: In Vientiane (Laos) hast du Taekwondo und Judo trainiert. Wie kam der Wechsel zum Karate?

Phong: Es war ein Zufall. (lacht) Als ich damals nach Deutschland kam, habe ich mich mit einem Jungen angefreundet, der um die Ecke von mir wohnte und auch die gleiche Schule besuchte. Er hat mich mit zum Karatetraining genommen. So kam ich zum Karate und bin heute immer noch mit Begeisterung dabei.

SKD: Als 14jähriger bist du 1977 mit deiner Familie aus Laos über Vietnam und Thailand nach Deutschland gekommen. Mit Blick auf diese Erfahrung und deine Mitgliedschaft in deinem ersten Karateverein, würdest du sagen, dass Sport ein gutes Medium ist, um Menschen in ein neues Land und in eine neue Kultur zu integrieren?

Phong: Ja, auf jeden Fall. Sport ist wie Musik eine universelle Sprache. Man hat sofort ein gemeinsames Interesse und das verbindet. Natürlich habe ich deutsch in der Schule gelernt, aber beim Karate hat es viel mehr Spaß gemacht, da es nebenher lief und nicht wie im Schulunterricht. Die Freude, der Spaß und der Zusammenhalt im Verein waren für mich damals sehr wichtig, um mich in Deutschland einzuleben. Manche der Freundschaften, die ich damals beim 1. JJJC geschlossen haben, bestehen noch bis heute.

SKD: Im Jahr 1980, mit 17 Jahren, hast du angefangen aktiv an Wettkämpfen teilzunehmen und warst 18 Jahre lang immer unter den ersten drei Plätzen bei Kata und Kumite, sowohl bei den Landes- als auch bei Deutschen Meisterschaften zu finden. Was hat dich an der Wettkampfszene so gereizt und muss man als Karateka unbedingt an Wettkämpfen teilnehmen?

Phong: Als junger, unerfahrener Schüler habe ich alles gemacht, was mir mein Trainer gesagt hat. Ich habe nicht ans Gewinnen oder Verlieren gedacht. Mein Trainer sagte mir, dass er mich anmeldet und dass ich mitmache. So war es damals. Ich bin von Natur aus jemand, der immer sein Bestes gibt, ob nun im Training oder auf Turnieren. Ich war beim ersten Mal so aufgeregt, dass ich meine Beine kaum bewegen konnte, aber das ist für jeden Turnieranfänger sicherlich so. Diese Erfahrung ist jedoch sehr wichtig, um mehr über sich selbst und sein Verhalten in solchen anfangs ungewohnten Situationen zu verstehen. Ich finde es gehört dazu, diese persönliche Erfahrung zu erleben. Diese Einblicke in das eigene Können und in die eigene Person sind ein kostbarer Gewinn, viel wichtiger als ein Pokal oder eine Platzierung. Natürlich habe ich mich über meine Pokale gefreut, aber wenn ich verloren habe, hatte ich trotzdem gewonnen, weil ich für das nächste Mal etwas gelernt hatte.

Heutzutage haben viele Karateka noch nie in einem Kampf gestanden und diese Erfahrungen der eigenen körperlichen und geistigen Grenzen sind ihnen leider unbekannt. Dabei reicht auch ein interner Vereinswettkampf oder eine kleine Stadtmeisterschaft.

SKD: Hast du nach Niederlagen oder Verletzungen jemals ans Aufhören gedacht? Wie bist du mit diesen Enttäuschungen umgegangen?

Phong: Ich habe von meinem Bruder gelernt niemals aufzugeben. Durch Niederlagen lernt man nur dazu und kann sich für das nächste Mal besser vorbereiten. Niederlagen haben mich motiviert noch mehr zu trainieren. Mein Bruder sagte, dass man nur sich selbst die Schuld geben kann und weiter an sich arbeiten muss. Diese Worte haben mich geprägt und ich habe sie nie vergessen. Ich bin meinem Bruder sehr dankbar für alles was ich erreicht habe. Aufhören kommt nicht in Frage.

SKD: 1998 hast du dich von der Wettkampfszene zurückgezogen, um dann 15 Jahre später, mit 50 Jahren, wieder einzusteigen. Wieso hast du damals aufgehört und später wieder angefangen?

Phong: Während meiner aktiven Wettkampfzeit trainierte ich im Karate Dojo Bochum bei Bernd Milner und Franz Bork. Als sich ihre Wege trennten, wurde ich von Helmut Lüpke vom Shotokan Karate Dojo Dortmund angesprochen, ob ich dort als Trainer arbeiten möchte. Bernd hatte Räumlichkeiten in Bochum gefunden, die er zum heutigen “Budokan Bochum” umbaute, und ich habe mich entschieden, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich bin sehr froh über diese Entscheidung, denn ich wurde herzlich in Dortmund empfangen und mein Trainingsstil akzeptiert. Ich fühle mich nach 20 Jahren immer noch sehr wohl in diesem Verein und geehrt als Trainer so lange hier das Training geben zu können.

Ich bin Bernd Milner sehr dankbar für alles was ich bei ihm gelernt habe. Diese Erfahrungen sind auch heute noch ein Teil von mir.

Warum ich wieder mit Wettkämpfen angefangen habe? Ganz einfach: Ich wollte mich weiterhin fit halten und ein Vorbild für viele Karateka sein, dass man auch noch in unserem Alter mithalten kann (lacht). Ich lerne immer noch dazu und meine alten Freunde von damals wiederzusehen, hat mich sehr glücklich gemacht. Wir haben viel über die “guten alten Zeiten” gesprochen!

SKD: Seit Januar 2019 bist du A-Prüfer und kannst zusammen mit einem anderen A-Prüfer nun Dan-Prüfungen abnehmen. Was bedeutet das für dich?

Phong: Beim DKV eine solche Rolle zu bekommen ist eine große Verantwortung für einen Dan-Träger. Diese Lizenz bedeutet mir sehr viel und macht mich stolz auf meinen bisherigen Karateweg. Die Möglichkeit, meine eigenen Schüler bis zum 1. Dan zu begleiten, ist eine große Ehre.

SKD: Im Jahr 1981 hast du als Braungurt angefangen beim 1. JJJC die Kindergruppe zu trainieren. Seit 2006 bist du selbständiger Karatetrainer und dieses Jahr bist du nun 20 Jahre Haupttrainer beim Shotokan Karate Dojo Dortmund. Was motiviert dich, jeden Tag Karate zu unterrichten, dich weiterzubilden und für dich selbst zu trainieren?

Phong: Karate ist so vielseitig und man lernt nie aus. Eine Technik kann unterschiedlich interpretiert werden. Und diese verschiedenen Bedeutungen möchte ich erforschen, lernen und ausprobieren. Dieses Wissen kann ich dann an meine Schüler weitergeben. Die Fortschritte meiner Schüler motivieren mich. Zu sehen wie sie sich über die Jahre entwickeln und meine Techniken übernehmen macht mich sehr stolz und glücklich.

SKD: In unserem Verein sehen wir, dass Kinder und Jugendliche eher viele Sportarten ausprobieren, um das Richtige für sich zu finden, während Erwachsene oft nach einer längeren Sportabstinenz eine Sportart für “Körper und Geist” suchen. Was würdest du Menschen empfehlen, die mit Karate anfangen möchten?

Phong: Ob nun Karate oder eine andere Sportart, man muss sich dafür interessieren und etwas erreichen wollen, ansonsten macht es keinen Sinn.

Es ist heutzutage meiner Meinung nach viel schwieriger geworden Kinder und Jugendliche zufriedenzustellen. Sie sind verwöhnt und haben meistens noch keine wirklich schwierigen Situationen erlebt. Sie verlieren schnell die Lust, wenn es im Training ein bisschen schwierig wird und sie die gestellten Aufgaben nicht sofort umsetzen können. Es fehlt das Vertrauen an das eigene Können und der Kampfgeist, für etwas zu kämpfen bzw. zu trainieren was man wirklich möchte. Oft sind es die Eltern, die ihre Kinder anmelden, weil sie möchten, dass sie sich mehr bewegen. Bei Kindern merkt man sofort, wenn sie keine Lust haben, und da ist es auf Dauer auch für mich nicht einfach, sie zu motivieren.

Erwachsene fangen aus eigenem Antrieb mit einer Sportart an; das ist eine gute Voraussetzung. An der Grenze des eigenen Könnens oder der eigenen Fitness sind sie motiviert weiter zu trainieren und die Grenze zu verschieben. Wichtig ist es, sich für das Training wirklich eine feste Zeit im Kalender einzutragen und sich auch daran zu halten, egal wie stressig die Arbeit war oder ob zuhause noch die Spülmaschine ausgeräumt werden muss.

SKD: Oft heißt es, Karate kann man ein Leben lang trainieren. Stimmt das wirklich? Wie hat sich dein persönliches Training in den letzten 40 Jahren verändert?

Phong: Ja, das stimmt. Natürlich springe und trete ich nicht mehr so hoch oder stehe so tief wie in jüngeren Jahren. Auch meine Techniken sind etwas langsamer geworden. Aber die langjährige Erfahrung bedeutet, dass ich Techniken schneller verstehe und umsetzen kann. Meine Atemtechnik ist viel feiner und präziser geworden, und ich habe ein gutes Auge für Techniken und Bewegungen entwickelt. Es gibt mittlerweile in vielen Dojos spezielle Einheiten und Lehrgänge für ältere Karateka, also für uns Jukuren.

SKD: Wettkampferfolge, hoher Dan-Träger, A-Prüfer, Karatetrainer aus Leidenschaft – Deine persönlichen Meilensteine sind beeindruckend. Welche neuen Ziele hast du dir gesetzt und wohin wird dich dein Karate-Weg in den nächsten Jahren führen? Hast du noch einen unerfüllten Traum?

Phong: Ich habe noch viel zu lernen, denn Karate ist ein lebenslanger Lernprozess. Das Lernen hört nie auf und in Deutschland und Japan gibt es viele ältere Karatemeister, die wie ich diesen Weg gehen. Mit 55 Jahren bin ich noch ein junger Hüpfer.

Mein Ziel ist es, so lange Karate weiter zu trainieren wie es mir meine Gesundheit erlaubt. Und so lange werde ich nicht aufhören an meinen Techniken weiterzuarbeiten und meine Schüler auf ihrem Karateweg zu begleiten. Einen Traum? Ein eigenes Dojo wäre schön!

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